Praxisschließung der Nervenärzte am 06.05.09 04.05.2009

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Sehr verehrte Damen, sehr geehrte Herren,

 

im Namen des Berufsverbandes Westfälischer Nervenärzte bitte ich Sie, die folgende Nachricht zur Kenntnis zu nehmen und an geeigneter Stelle darüber zu berichten. Für weiterführende Fragen/Ergänzungen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung

 

Am Mittwoch, den 06.05.2009 werden ein Großteil der Neurologen, Nervenärzte und Psychiater im Bereich der KVWL (Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe) ihre Praxen schließen. Damit beteiligen sie sich an der bundesweiten Aktion an, zu der der Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN) aufgerufen hat.

 

Bundesweit wehren sich in dieser Aktionswoche speziell die Fachärzte in den Fächern  Neurologie und Psychiatrie gegen die  Unterfinanzierung in der ambulanten neurologischen und psychiatrischen Versorgung. Bereits am Aschermittwoch haben die niedergelassenen Nervenärzte im Kreis Steinfurt zusammen mit Praxen aus dem  Ruhrgebiet und anderen Facharztgruppen hierauf aufmerksam gemacht!

 

Nervenärzte streiken nicht,  sondern informieren  …..

Unter diesem Motto werden sie in regionalen Schwerpunkten mit Patienten- und Pressegesprächen die Öffentlichkeit über die Gefährdung der neuropsychiatrischen Versorgung als Folge der eklatanten Missstände des defizitären Gesundheitssystems informieren, insbesondere als Folge der letzten „ Honorarreform“.

 

Die Anzahl der neurologisch und psychiatrisch kranken Menschen, die einer Behandlung bedürfen, ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen und wird auch in Zukunft  weiter steigen. Für diese Patientengruppe mit schweren chronischen Erkrankungen wie z.B. Schlaganfall,  Multiple Sklerose, M. Parkinson, Epilepsie, Demenz, Depressionen, Schizophrenie – um nur die wichtigsten zu benennen - ist eine wohnortnahe, fachlich qualifizierte und verlässliche ärztliche Betreuung unverzichtbar. Die persönliche, differenzierte Betreuung durch niedergelassene Fachärzte ist nicht durch eine alleinige Versorgung am Krankenhaus oder anonymen Zentren zu ersetzen. 

 

Mit Einführung der Regelleistungsvolumen zum 1.1.2009 erhalten Nervenärzte für die Behandlung eines Patienten  lediglich eine  Pauschale von rund 40-45 Euro für eine Flatrate-Versorgung über drei Monate(!) zur Verfügung gestellt, unabhängig von der Schwere der Erkrankung, der erforderlichen apparativen Untersuchungen und der Anzahl der Arzt - Patientenkontakte. Hiervon müssen selbstverständlich auch sämtliche Praxiskosten gezahlt werden.

Ab einer bestimmten Patientenanzahl erhalten die Nervenärzte kein Geld mehr!

Behandeln sie dann weiter Patienten, z.B. auch Notfälle, so tun sie dies „umsonst“ – über die entstehenden Kosten besser „zu eigenen Lasten“.

Aktuell bereits in einem Umfang von 30-40% aller erbrachten Leistungen.

Der vielzitierte „Zugriff auf andere Leistungsbereiche zur Verbesserung des „Honorars““ steht unseren Fachgruppen nicht Umfang zur Verfügung!

 

Damit ist nicht einmal mehr auch nur eine Basisversorgung zu leisten!

 

Das wirtschaftliche Überleben vieler noch freier und selbstständiger Nervenärzte in Deutschland wird durch diese Art der ärztlichen Bezahlung gefährdet!  Der ärztliche Nachwuchs bleibt auch aufgrund dieser schlechten medizinischen und wirtschaftlichen Aussichten aus. dies ist schon jetzt in vielen Gemeinden zu spüren.

 

Ein Arzt ohne Zukunft heißt eine Zukunft ohne Arzt!

 

Wir streiken nicht!

Wir klagen nicht!

Wir informieren sachgerecht über eine unhaltbare Situation!

 

Es geht nicht um die Einkommenssituation der Ärzte, es geht um die Versorgungssituation der Patienten!

 

Wir Nervenärzte protestieren entschieden gegen die derzeitige Gesundheitspolitik und sehen diese als gescheitert an!

 

Wir halten es für unsere Pflicht, alle Bürger hierüber zu informieren und nicht länger zu schweigen!

 

Wir wollen, dass die wohnortnahe ambulante Versorgung der neurologischen und psychiatrischen Patienten erhalten bleibt.

 

Wir wollen unsere Patienten angemessen entsprechend medizinischer Notwendigkeiten behandeln, die geht nicht ohne eine Bereitstellung ausreichender Mittel!

 

Wir wollen auch in Zukunft freie Ärzte in freien Praxen bleiben; denn nur so kann das Allerwichtigste, nämlich das Vertrauen zwischen Arzt und Patient als Grundvoraussetzung für eine gute Behandlung  erhalten bleiben!

 

Während der Praxisschließungen ist selbstverständlich eine Notfallversorgung über Notdienstpraxen gesorgt.

 

 

 

Dr. med. Klaus Gorsboth

1.Vorsitzender

Berufsverband westfälischer Nervenärzte

Landesverband Westfalen im BVDN

 

Bahnhofstr. 10

59581 Warstein

 

Tel.: 02902-97410

Fax: 02902-974133

Mobil: 0171 48 12 691

 

 

 

 


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