Hausärzteverband unterstreicht Führungsanspruch der Hausärzte in Westfalen-Lippe 25.02.2009

eingestellt von Dr. Hans-Heiner Decker

Mit einem Paukenschlag wartete Hausarztchef Dr. Norbert Hartmann auf , als er unter dem Jubel der über 3000 Besucher sein Amt im Hauptausschuß der KVWL  mit sofortiger Wirkung niederlegte, um damit seinen entschiedenen Protest gegen die Politik der KVWL kosequent  zum Ausdruck zu bringen. Diese hatte kurz vor Jahreswechsel einen eigenen Hausarztvertrag mit den Kassen unterzeichnet und damit die Ausgangsposition für erfolgreiche Verhandlungen des Hausärzteverbandes erschwert. Mit Nachdruck bekräftigte Hartmann erneut die Zielsetzung des angestrebten Hausarztvergütung: Ein Ergebnis in Höhe von 80-85 Euro ohne Regressverfahren, Fallzahlabstaffelung oder Bürokratielastigkeit werde angestrebt, um hier auch mit den Vertragsabschlüssen in Baden-Württemberg und Bayern gleichzuziehen. 

Unterstützung aus Bayern wurde auch durch die Patientenvertreterin Renate Hartwig signalisiert. Sie appellierte an die  Hausärzte, gemeinsam mit den Patienten ihre berechtigten Honorarforderungen durchzusetzen, da nur so den Bürgern eine qualitativ hochwertige wohnortnahe Versorgung durch freiberufliche Hausärzte erhalten bliebe. Vehement verurteilte sie die Bestrebungen, zukünftige Hausarztversorgung durch angestellte Ärzte aus Versorgungszentren der Kapitalgesellschaften zu organisieren.

Zum Abschluß der Kundgebung erläuterte der bayrische Hausarztchef Dr. Wolfgang Hoppenthaller  seinen beharrlichen und langjährigen Kampf gegen Kassen, KV und CSU, der zuletzt mit Abschluß des bayrischen AOK-Hausarztvertrages belohnt worden sei. Den westfälisch lippischen Hausärzten empfahl er Beharrungsvermögen, Geschlossenheit und unbedingte Gefolgschaft mit den Verhandlungsführern in den bevorstehenden Auseinandersetzungen.

Kommentar:

hhd. Selbstbewußt und mit kämpferischer Entschlossenheit präsentierte sich der Hausärzteverband, um seinen Verhandlungsanspruch zu unterstreichen. Die Kulisse und Stimmung in der Münsterlandhalle trugen das Ihrige dazu bei, die Verhandlungsführer mit einem überzeugenden Mandat auszustatten. Allerdings sind bei nachvollziehbaren Attacken gegen den Gesetzgeber und den Überbringer schlechter Botschaften (KVWL) unsachliche Agitationen verzichtbar. So löste Frau Hartwig mit ihrer Agit-Propaganda zwar oft bei der breiten Masse Zustimmung aus, als sie von "mafiösen Strukturen und Verflechtungen zwischen Kassen und KVen" berichtete, verfehlte aber mit derartiger Rhetorik den Boden des zulässigen Geschmacks.  Dennoch dürfte die Botschaft der ärztlichen Hauptredner an die KV  unüberhörbar angekommen sein: Der HÄV ist nicht gewillt  zurückzuweichen und wird es auf die Kraftprobe - ähnlich wie in Bayern - mit der Körperschaft  ankommen lassen. Dort wird man gut daran tun, Gemeinsamkeiten für eine bessere und gerechtere Honorierung der Ärzte zu suchen und mit  - nicht gegen - die  Verbände durchzusetzen. Sonst droht die dauerhafte Spaltung und das Ende der KV - auch in Westfalen-Lippe. 

 


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