ärztliche Honorare (zunächst) gesichert 16.01.2009

eingestellt von Dr. Hans-Heiner Decker

KommentarVom EBM 2008  zum GBM 2009

hhd. Der erneute Beschluß des erweiterten Bewertungsausschuss ermöglicht jetzt, übergangsweise für die Zeit von 2 Jahren regionale Gestaltungsspielräume zu entfalten. Damit ist die drohende Insolvenz vieler Praxen zunächst abgewendet. Insbesondere wird für große, fallzahlstarke Versorgerpraxen auf dem Land mit einer Entschärfung der Fallzahl orientierten Honorarabstaffelung gerechnet. Insofern ist der jüngste Beschluß ein Kompromiss der Vernunft, der das Überleben auf Zeit ermöglicht. Nicht mehr und nicht weniger.

Der Beschluß macht aber gleichzeitig deutlich, wie weit das System vor die Wand gefahren ist: Nota bene: Die hektischen Gesetzesreformen und Gebührenordnungswerke der letzten Jahre sollten Ruhe in die Honorarfront bringen. Mit dem Euro 2000 plus wurde die Kalkulierbarkeit ärztlicher Honorare auf der Basis nachweisbarer Kosten angestrebt. Das berechnete und verabschiedete Ergebnis betrug 5,11 Eurocent pro Punktwert. Die mangelnden finanziellen Mittel im System bescherten uns schließlich den bundeseinheitlich kalkulierten Punktwert auf knapp 3,5 Eurocent. Erkauft werden sollte diese beispiellose Entwertung ärztlicher Leistung (das ist ein sattes Minus von mehr als 30%) durch einheitliche Vergütung des Behandlungsbedarfs mit einer  jederzeit transparenten und kalkulierbaren Eurogebührenordnung und Morbiditätsverlagerung auf die Krankenkassen.

Wenn 8000 Ärztinnen und Ärzte allein in Westfalen-Lippe jetzt  gegen ihre Regelleistungsbescheide Widerspruch eingelegt haben, spricht das Bände.  Noch immer wird in Westfalen-Lippe bei höchster Fallzahl der niedrigste Fallwert gezahlt. Klare Antworten, wie dieses System ärztlicher Billigstlöhne in den nächsten zwei Jahren überwunden  werden soll, fehlen auf weiter Linie! 

Ständige Gesetzesfluten und Gebührenordnungsreformen am Fließband,  für die der Gesetzgeber die entscheidende Verantwortung trägt, erinnern fatalerweise an die Überlebensbemühungen des im tiefen Sumpf Verirrten: Je hektischer gegengerudert wird, desto rascher vollzieht sich dessen Untergang.  Auf jeden Fall ist vor diesem Szenario der Ruf nach der vielzitierten "Bierdeckelabrechnung"  verständlich und kaum noch aufzuhalten, wenn die Antwort des KV-KBV-Systems nur noch ein Gebührenordnungs-Bürokratie-Monster ("GBM") ist, das niemand mehr versteht und inzwischen Almosenniveau erreicht hat.

 


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